Nichts ist so toll wie Rock`n`Roll
Sprünge in den Himmel
LÖRRACH. Bereits in den 20er Jahren gelang dem "Lindy Hop" als Vorläufer des Rock'n'Rolls der Sprung von seinen afrikanischen Wurzeln in die USA. Doch erst in den 50er Jahren fand der Tanz Dank Chuck Berry, Fats Domino und Little Richard eine breitere Fangemeinde. Einigen dieser Größen verdankt der Rock'n'Roll Club in Lörrach seine Geburtsstunde vor 25 Jahren.
Locker und leicht sieht es aus, wie die Paare in der Eichendorffhalle tanzen. Fast beschämt denkt man da an die eigene Unbeweglichkeit, während andere scheinbar mühelos im Sprungschritt des Rock’n’Roll ihre Beine in die Höhe werfen. Zu moderner Musik tanzen die Paare zwischen zehn und 58 Jahren im Training. Erst auf den zweiten Blick bemerkt man ein seltsames Seil, das über einer Matte von der Decke baumelt. "Hier werden Todessprünge und Salti geübt", erklärt Günter Tremmel, Trainer und erster Vorsitzender des Rock-’n’-Roll-Clubs Lörrach. Doch zunächst Tanzen sich die Paare warm und nicht alle werden am Seil trainieren. Die Kinder üben Schritte und leichtere Akrobatik am Boden unter der Aufsicht von Jugendtrainerin Priska Kuny, die im Verein die drei Kindergruppen trainiert.
Die zwölfjährige Michelle Matisek tanzt seit sechs Jahren in Lörrach und findet alles toll am Rock’n’Roll, wie sie im Gespräch erklärt. Auch Simona Kayser (10) ist seit fünf Jahren begeistert von diesem Tanz. "In meiner Klasse kennt Rock’n’Roll allerdings kaum jemand", sagt Michelle. Den beiden Mädchen wird es allerdings nicht langweilig bei ihrem Hobby. "Man lernt immer mehr dazu und kann seine Fähigkeiten steigern, das macht Spaß", sagt Michelle. Vom Virus dieses Tanzes infiziert ist auch Anne Kayser, wie sie selbst sagt. "Nichts ist wie Rock’n’Roll, wenn man einmal damit angefangen hat, kann man nicht mehr aufhören". Zusammen mit ihrem Mann Peter Kayser gehört sie ebenso wie Nadja und Rudolf Bausch zu den Gründungsmitgliedern des Rock-’n’-Roll-Clubs Lörrach, der in diesem Jahr sein 25-jähriges Jubiläum feiert. Aus diesem Anlass hatte der Club im Oktober auch die Deutsche Meisterschaft in Eimeldingen ausgerichtet.
Dann machen sich Maria und Ronny an der Matte bereit zum Einüben der Sprünge und Salti. Ziel der Turniertänzer ist die Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften im nächsten Jahr. "Immer langsam", bremst Günter Tremmel den Eifer, "zunächst einmal geht es um die Teilnahme an der Landesmeisterschaft". Dort muss sich das Paar dann für die Deutschen Meisterschaften qualifizieren. Endlich ist es soweit. Nachdem Maria sich den Gurt umgelegt hat, schwebt sie Sekunden später über Ronnys Kopf. "Konzentrier’ dich, die Körperspannung darf nicht nachlassen", tadelt Günter Tremmel. Nach etwa 20 Sprüngen ist dem Paar die Erschöpfung anzumerken. Für eine Pause ist keine Zeit. Der Trainer fordert einen Vorwärts-Salto, der perfekt gelingt. Wenig später üben die Turniertänzer ohne Seil auf der Matte, wobei es die nachlassende Kraft den Sportlern nicht leichter macht. Bis zu 60 Sprünge pro Training absolvieren die Turniertänzer in der Regel, erklärt Tremmel. Da gehe man schon mal an die Konditionsgrenze, räumen Ronny und Maria ein.
Über die Perfektion und Präzision des Rock’n’ Roll und Boogie Woogie weiß vor allem Nadja Bausch bestens Bescheid. Als Wertungsrichterin ist die ehemalige Turniertänzerin, in ganz Deutschland unterwegs. Grundvorraussetzung zum Erlernen dieser Tanzarten sei ein gewisses Talent und Rhythmusgefühl. Am Turnier müsse der Sprungschritt dann durch alle Tempi und Übungen leicht und spielerisch daher kommen. Auch auf eine erfolgreiche Vereins- und Jugendarbeit kann der Rock’n’Roll Club Lörrach in seinem Jubiläumsjahr zurückblicken. Zahlreiche Erfolge, unter anderem den Vizetitel bei den Landesmeisterschaften im Boogie Woogie in 2008, konnten die Mitglieder ertanzen. Doch auch für Hobbytänzer bietet der Lörracher Club mit seinen 90 Mitgliedern eine Plattform.
Nachwuchssorgen kennt der Verein nicht, allerdings fehlt es an Tänzern zwischen 25 und 35 Jahren. "Und Jungs sind eher Mangelware", sagt Tremmel. Doch auf den Mädchenüberhang habesogar der Verband reagiert und lasse an Turnieren auch Mädchenformationen und -paare zu. Das Herz der Tänzer im Rock'n'Roll-Club schlägt jedenfalls im Vier-Vierteltakt: mal schneller und mal langsamer.

